traurig

Ich wurde gebeten, mich zu gedulden. Aber ich will mich nicht gedulden! Ich will jetzt! Ich habe mich schon geduldet. Meine Geduld reicht bis heute.
Eigentlich wollte ich nämlich schon früher. Und ich wurde zuerst gebeten, mich bis heute zu gedulden. Und ich bin darauf eingegangen. Vorgestern wurde ich dann gebeten, mich noch länger zu gedulden. Aber ich will nicht. Ich will jetzt! Jetzt war ausgemacht. Und verschieben ist doof.
Ich bin traurig, weil ich so lange warten muss, dass es sich anfühlt, als ob ich für immer warten muss.

Advertisements

Schreibblockade überwinden

Lieber Blog!
Ich bin systematisch geworden im Schreiben. Und da ich das System noch nicht zu Ende gebracht habe, habe ich mich nicht getraut, mal was anderes zu schreiben, was mich aktuell beschäftigt, aber mit dem System nichts zu tun hat. Aber egal. Im blog ist eh alles erlaubt.
Meine eine Feststelltaste klemmt. Und ich habe keine lust, mich viel mit korrekturen zu beschäftigen.
Krise ist angesagt bei mir. Schon seit wochen, und es wird immer schlimmer. Inzwischen sind meine kraftreserven ziemlich am ende.
Mein körper ist schwach. Ich bin unendlich erschöpft. Kopfschmerzen. Magen. Hals/Erkältung. Und dachschaden. Vor allem dachschaden.
Schon gewusst? Ich hatte noch keinen einzigen suizidversuch. In meinem ganzen leben nicht. Trotz umfassendem und dauerhaften dachschaden. Das ist der hauptgrund, warum ich glaube, dass ich mich auch diesmal nicht umbringen werde. Ich finde das unvernünftig. Meine erfahrung ist, dass ich mich zwischen den krisen immer freue, dass ich mich nicht umgebracht habe. Und im Laufe der Jahre wird die Zeit zwischen den Krisen immer länger und schöner. Deshalb ist es vernünftig, auf einen Suizid zu verzichten.
Jetzt klemmt die Feststelltaste auch nicht mehr.
Bei mir ist meine Pflegekatze. Sie tut mir gut, deshalb habe ich sie mir ausgeliehen. Sie ist schon ein paar Tage bei mir und bleibt für 2 Wochen. Sie leidet mit mir. Manchmal traut sie sich nicht, auf meinen Schoß zu springen. Dann steht sie vor dem Sofa und maunzt mich an.
Ich schaffe: essen (weil das wichtig ist um am Leben zu bleiben), duschen, Zähne putzen, Kleidung wechseln, lüften. Das sind die wichtigsten Dinge im Moment. Ich setze meine Kraft dafür ein, mich nicht umzubringen. Was mir dabei hilft, mache ich. Was mich dabei hindert, lasse ich. Alle Verpflichtungen habe ich abgesagt. Nur noch zur Therapie gehe ich.
Ich weiß nicht, ob andere Menschen verstehen, warum ich davon überzeugt bin, dass Alleinsein mir im Moment gut tut. Mich strengen Menschen einfach an. Immer. Und zur Zeit habe ich keine Kraft übrig, um mich mit Menschen zu beschäftigen.
Suizidgedanken sind ein gesellschaftliches Tabu, oder? Ich finde das sehr schade. Viele Menschen, die Suizidgedanken haben, äußern sie nicht. Ich bin in der Hinsicht zurückhaltend, weil ich andere Menschen nicht erschrecken möchte. Aber erschrecken tue ich andere Menschen ja auch, wenn ich über Gewalt schreibe. Anders ist das schon. Aber ebenfalls erschreckend.
Dabei gehören Suizidgedanken zum Leben dazu. Die meisten Menschen, die sich damit tragen, haben nie einen Suizidversuch. So wie ich. Mich begleitet das Thema schon seit Jahren immer wieder. Das ist so wie mit einem Gartennachbar, der einen lauten Rasenmäher hat und natürlich irgendwann mal mäht. Es nervt. Aber ich muss es akzeptieren. Und ich akzeptiere es auch. Das gehört eben zum Leben, so wie der Rasenmäher zum Wochenende in der Gartenkollonie. Aber ob andere Menschen damit auch so entspannt umgehen können wie ich?
Weil ich das bezweifle, rede ich nicht drüber. Außer in meiner Therapie. Und jetzt habe ich es hier auch getan. Und ich hoffe, das fühlt sich gleich ganz befreiend an.

Selbstschutz.

Themenbereiche:

  • Leben mit Tarnkappe
  • Geringe Wahlfreiheit
  • Möglicher Übergriff des Vaters auf mich
  • Krankenhaus
  • Keine Anzeige
  • Umzug in eine andere Stadt
  • Mögliche zufällige Begegnungen

 

Bedürfnisse:

  • Schutz vor körperlichem Schaden
  • Klarheit
  • Trost
  • Freiwilligkeit
  • Gerechtigkeit
  • WIRKSAMKEIT
  • seinen Platz finden
  • RUHE
  • Empathie
  • Geborgenheit
  • Zugehörigkeit
  • Ganzheit
  • Kontinuität
  • Gemeinschaft
  • Verhalten selbst bestimmen
  • Respekt

Wegschauen der Familie. Die große Lüge.

Themenbereiche:

  • fehlendes klärendes Gespräch
  • fehlende Entschuldigung
  • fehlendes Schuldbewusstsein
  • scheinbare Schuldumkehr
  • Heimlichkeit

 

Bedürfnisse:

  • Gemeinschaft
  • Selbstbehauptung
  • Verlässlichkeit
  • Schutz vor körperlichem Schaden
  • Authentizität
  • Verantwortung
  • Respekt
  • Geborgenheit
  • Empathie
  • Wertschätzung
  • Verstehen
  • Ehrlichkeit
  • Zusammenarbeit
  • Werte selbst bestimmen
  • Freiwilligkeit
  • Menschlichkeit

Kultur

Ich habe über ein Internetportal für ein paar Tage ein Zimmer in einer Privatwohnung angemietet. Die Vermieterin hatte den Schlüssel an einer vereinbarten Stelle hinterlegt und mir im Vorfeld in gebrochenem Deutsch gesagt, dass ich die Wohnung ruhig benutzen kann.
Was bedeutet „die Wohnung benutzen“?
Ohne eine direkte Handlungsanweisung zu bekommen verstehe ich dabei: Schuhe beim Betreten der Wohnung ausziehen und dort abstellen, wo schon Schuhe stehen. In der Nähe der Wohnungstür nach einem Garderobehaken schauen und dort die Jacke anhängen. Schauen, welche Räume sich hinter den geöffneten Türen befinden. Den Raum mit Bett als mein Gästezimmer auffassen. Den Raum mit gefliestem Boden und Sanitäranlagen als Bad auffassen. Den Raum mit Sofa, Balkon und Kochnische als Wohnküche auffassen. Mein Gepäck ins Gästezimmer stellen. Das Bad benutzen. In der Küche mit dem Wasserkocher und den vorhandenen Teebeuteln mir einen Tee aufbrühen. Das WLAN-Passwort, das auf einem Zettel im Gästezimmer steht, nutzen. Die Tür des Gästezimmer hinter mir schließen, wenn ich darin allein sein will. Die Tür des Badezimmer von innen abschließen, wenn ich das Bad benutze. In der Küche in die Schränke schauen, wenn ich einen küchentypischen Gegenstand suche. In die übrigen Schränke in der Wohnung nicht hinein schauen. In der Wohnung nicht rauchen. Auf dem Balkon rauchen.
Das habe ich durch Sozialisation gelernt. So ein Verhalten ist kulturtypisch. Kultur kann etwas sein, das das Zusammenleben und Interagieren von Menschen vereinfacht.
Mir gefällt das so. Ich reduziere komplexe Sachverhalte gern auf einige zentrale Aussagen.